Schaufenster im Mai 2022

Waschzettel

Manchmal sind es die kleinen unbedeutenden Dinge, die man zufällig in Akten findet, so wie dieser Zettel aus dem Dekanatsarchiv Speyer datiert auf 1829.

Mit ziemlicher Sicherheit hat ihn Pfarrer Georg Spatz, der erste Dekan des Dekanats Speyer, geschrieben. Der Waschzettel mit zweiunddreißig Positionen erzählt uns etwas über den textilen Haushalt einer Pfarrersfamilie und über heute nicht mehr übliche Kleidungsstücke, hier eine kleine Auswahl aus der langen Liste: Leintücher, Tischtücher, Servietten, Mannshemden, Weibshemden, Luisenhemdlein, Weibsstrümpfe, Kappen, Nastücher, Halstücher, Hauben, Schmisetchen, Krägeln, Leibchen, Kleider, Vorhänge, Hosenträger, Strumpfbänder, Küchenschürze.

Recycling in der Verwaltung

Unterlagen, die in das Archiv gelangen, enthalten oft Überraschendes wie unerwartete Inhalte oder Papier aus gänzlich anderem Kontext. Hier haben wir es mit einem Papier der Firma Zorn & Kuhn, Zweibrücken, zu tun, das zum Verpacken von Zichorienkaffee verwendet wurde. 1932 erwarb die Protestantische Kirchenschaffnei Zweibrücken das Firmenanwesen und damit auch jede Menge dieses Verpackungsmaterials. Die Verwaltung warf es nicht etwa fort, sondern verwendete es als Notizpapier bis in die 1950er Jahre.

Die Firma Zorn & Kuhn gibt es längst nicht mehr. Aber ihr farbenfrohes Papier hat aufgrund der Sparsamkeit der Verwaltung die Zeit überdauert. Auch so manches Plakat verdankt seine Überlieferung der Tatsache, dass man es wegen seiner praktischen Größe als Einschlagpapier für Aktenvorgänge verwendete. Gehen wir zeitlich noch weiter zurück, so bergen Bucheinbände etwa des 16. Jahrhunderts mitunter Teile von mittelalterlichen Urkunden. Sie wurden von der Verwaltung wegen ihres stabilen Pergaments für diesen Art des Recyclings durchaus geschätzt.