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Karolingische Minuskel
Eine karolingische Minuskel ist dem Namen nach eine Schreibschrift in Kleinbuchstaben aus der Zeit Karl des Großen, also ungefähr aus dem achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Das Kloster Corbie und die Stadt Aachen im damaligen Frankenreich gelten als Ursprungsort dieser Schrift. Gelehrte Mönche aus dem irisch-angelsächsischen Raum brachten mit ihren Texten die ebenmäßigen rundlichen Kleinbuchstaben, die praktisch, leicht, sparsam und schnell auf das kostbare Pergament geschrieben werden konnten, ans Festland. Die Schrift kam zur rechten Zeit: ihre außerordentliche Praktikabilität im aufwendigen Schreibprozess wurde durch Beamte der Regierung am Hof Karls des Großen erkannt und weiter verbessert. Es entstand eine standardisierte, hervorragend lesbare Schrift. Durch Wortzwischenräume und Satzzeichen konnte der Lesende zudem den Text schneller erfassen. Karl der Große machte die Minuskel zur offiziellen Verwaltungsschrift und sie wurde zum Symbol der von ihm begonnenen Bildungs- und Verwaltungsreform.
Das Bild zeigt einen lateinischen Text aus Genesis 1, dem ersten Buch der Bibel, die Verse 15 bis 27. Diese kleine, ungefähr DIN A5 große Seite aus Pergament findet sich in einem Steuerverzeichnis, einem sogenannten Gültbuch aus dem Pfarrarchiv Sausenheim. Ein Buchbinder des 16. Jahrhunderts verwendete das inzwischen zu Makulatur erklärte Blatt und klebte es auf den Buchdeckel aus Buchenholz, um so das Verwerfen des Buchdeckels, der auf der Vorderseite mit braunem Kalbleder bezogen ist, zu verhindern. Es ist ihm gelungen und gleichzeitig rettete er unabsichtlich ein jahrhundertealtes Dokument für die staunende Nachwelt.
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