Schaufenster im November 2022

Leuchtkäfer

Die Fushimi Maru, ein japanischer Ozeandampfer, verkehrte zwischen Asien und Europa und war berühmt für ihren luxuriösen Standard an Bord. Das Lesen der auf schillerndem Papier gedruckten Speisekarte für das Dinner am 19. März 1929 regt heute noch den Speichelfluss an: neben Schollenfilet Florentine gibt es auch Sushi und Köstlichkeiten  der französischen Küche, Asien trifft auf Europa.

Dekoriert ist die Karte mit zwei japanischen Frauen beim Versuch, Leuchtkäfer, Hotaru, einzufangen. Durch den Nachlass des Japanmissionars Wilfrid Spinner (1854-1918) gelangte diese Speisekarte ins Archiv, sie diente gleichzeitig als Briefpapier für einen Brief des Japaners T. Tami, der sich gerade in Berlin aufhielt und an die Witwe von Wilfrid Spinner, Bertha Spinner, in Zollikon, Schweiz, schrieb.

 

Von der Wiege bis zur Bahre, Formulare, Formulare

Wenn sich Vorgänge in der Verwaltung oft wiederholen, entstehen Formulare zur Vereinfachung des Ganzen.
Bei diesen zwei Formularen geht es um die Auszahlung eines Geldbetrags aus dem kirchlichen Sozialfonds, früher Almosen genannt.  Oben das nicht ausgefüllte Formular, darunter das gleiche nur mit folgendem Eintrag:
Der Rechner der Wohlthätigkeits Anstalt wird hierdurch angewiesen, an Vorzeigerin dieses [Schreibens] Christina Wüst sehr dürftige Wittwe von Niederhorbach eine Unterstützung von – Gulden 36 Kreuzer zu reichen. Speyer, d [en] 30 ten August 1824

Den Empfang bescheinet                                                                                                                                                                                                                                      Spatz

durch Beizeichen X X X                                Spatz

Da die Empfängerin der 36 Kreuzer nicht schreiben konnte, bestätigte sie den Empfang des Geldes mit ihrem Handzeichen, daher auch die Bezeichnung „drei Kreuze machen“. Dekan Spatz, Speyer, veranlasste die Auszahlung und bestätigte, dass alles korrekt abgelaufen ist.