Schaufenster im Oktober 2021

Kleinkinderschule Ludwigshafen-Rheingönheim, 1920

Im Garten der alten Kinderschule hinter der Kirche von Rheingönheim haben sich Schwester Anna Krauss und ihre Schützlinge versammelt. Vor den Kindern und am linken Rand des Fotos erkennt man gebastelte Osterkörbchen. Gut 100 Jahre liegen zwischen dieser Momentaufnahme und der Betreuung von Kindern in heutigen Kindertagesstätten, deren Gruppengröße durch vorgegebene Messzahlen festgelegt ist.

Die Zahl der Kinder in Rheingönheim ist gewaltig. Eine fachlich ausgebildete Schulschwester betreute damals häufig etwa 100 Kinder, manchmal mehr. Vor Ort erhielt sie Unterstützung von ehrenamtlichen Helferinnen. Die Schwestern gehörten in der Regel zum Diakonissenmutterhaus in Speyer, das sie in die Orte entsandte. In einem eigenen Schwesternhaus wohnte die Schulschwester zusammen mit der Diakonisse, die die örtliche Krankenpflege versah.

Es kennt der Herr die Seinen oder wer wohnt wo in Weisenheim am Berg

Der Pfarrer von Weisenheim am Berg wollte es ganz genau wissen und griff zu Feder, zu Bleistift und zu Buntstift. Er zeichnete einen Lageplan von Weisenheim in das dicke Buch, in dem er auch die Geschichte seiner Pfarrei aufschrieb. Blau markierte er die Häuser seiner eigenen Gemeinde, also die der protestantischen Familien. Zwischen den blauen Häusern liegen vereinzelt die roten Häuser der katholischen Familien. Einen Spezialfall bilden die gemischtkonfessionellen Haushalte, die der Pfarrer blau mit rotem Strich kennzeichnete.

Vereinzelt nichtkolorierte Häuser sind von jüdischen Familien bewohnt. Wichtig für ein Gemeinwesen sind öffentliche Gebäude wie Schule und Rathaus, aber auch Brunnen zur lebenswichtigen Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser. Einen Laden, mehrere Wirtschaften und den dreieckigen Marktplatz kann man gut erkennen, links davon ist grau schraffiert die Synagoge eingezeichnet. Sie wurde 1832 erbaut und zeugt noch heute vom jüdischen Leben in Weisenheim am Berg.